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Branchennews

Nachfolgend haben wir die letzten Meldungen aus dem Pharma-Bereich für Sie zusammengefasst

Gefährliche Geschenke

Datum: 29.11.2019

Gefährliche Geschenke Weichmacher, Toxine, Kleinteile: Zum Beginn der Vorweihnachtszeit warnen Umwelt- und Verbraucherschützer vor gefährlichem Kinderspielzeug. «Die problematischsten Spielzeuge sind die aus Plastik», sagte Tatiana Santos vom Europäischen Umweltbüro (EEB) am Donnerstag in Brüssel. Vor allem aus China kämen sehr viele Spielsachen mit gesundheitsschädlichen Chemikalien. Europaabgeordnete erwarten von der neuen EU-Kommission rasches Handeln. Dem Umweltverband EEB zufolge wurden – basierend auf Informationen des europaweiten Schnellwarnsystems für gefährliche Produkte (Rapex) – im Laufe des Jahres bereits um die 250 Spielzeugmodelle vom Markt genommen, nachdem Tests bedenkliche Chemikalienkonzentrationen ergeben hatten. Gut vier von fünf davon kamen demnach aus China. Über Rapex können einzelne Staaten Informationen zu gefährlichen Waren austauschen, die dann vom gesamten EU-Markt genommen werden können. Rapex zufolge betrafen gut 45 Prozent aller erfassten Fälle im laufenden Jahr Risiken wegen enthaltener Chemikalien. Vor allem Phthalate (in Plastik verwendete Weichmacher) standen hier im Fokus. Neben schädlichen Chemikalien spielten vor allem Spielzeuge mit Erstickungsgefahr eine Rolle. 11 Prozent der Fälle betrafen zudem Batterien, die zu leicht zugänglich waren. Jenseits der erfassten Problemfälle sorgen sich die Umweltschützer aber um die mögliche Dunkelziffer. «Wo Kontrolleure die Ressourcen bekommen, die sie brauchen, machen sie hervorragende Arbeit», sagte EEBChemikalien-Expertin Santos weiter. Die Frage sei jedoch, wie viele giftige Spielzeuge unbemerkt in die EU kämen. «Importeure chinesischer Waren müssen deutlich mehr Druck auf ihre Lieferanten ausüben», forderte sie. Vorsicht bei Onlinekäufen Der europäische Verbraucherverband Beuc warnte in diesem Zusammenhang auch vor unbedachten OnlineEinkäufen. Kunden werde empfohlen, nicht gekennzeichnete Produkte zu meiden. Wenn von chinesischen Internetseiten eingekauft werde, sollten zudem Elektronikgeräte, Kleidung oder Spielsachen gemieden werden, die unverhältnismäßig günstig seien, erklärte Beuc-Sprecher Laurens Rutten. Auch aus dem Europaparlament kamen mahnende Stimmen. «Der «Black Friday» wird als Startschuss in die Weihnachts-Einkaufsaison auch in Deutschland und Europa immer beliebter. Es gilt allerdings: Augen auf beim Geschenkekauf», sagte die SPD-Verbraucherschutzexpertin Evelyne Gebhardt. «Zu oft missachten Hersteller aus China oder anderen Ländern die Vorgaben des europäischen Verbraucherschutzes. Kinderspielzeug-Telefone sind nicht selten zu laut und können zu Gehörschäden führen.» «Rapex verzeichnet jede Woche mehr als zehn neue Meldungen wegen gefährlichen Spielzeugs in der EU», erklärte Gebhardt weiter. «Ich erwarte von der neuen EU-Kommission, dass sie sich mit Nachdruck für die Produktsicherheit einsetzt.» Die EUKommission der neuen Präsidentin Ursula von der Leyen (CDU) soll am 1. Dezember starten. Die Behörde ist in der EU vor allem für neue Gesetzesvorschläge sowie für die Überwachung von EU-Recht in den einzelnen Staaten zuständig. Der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold sagte: «Giftige Umwelthormone haben im Spielzeug nichts verloren. Europa braucht einen Aktionsplan, um Gifte aus unserem Lebensalltag zu entfernen.» Zudem müsse die Durchsetzung geltenden Rechts schärfer von Brüssel kontrolliert werden. «Wir können nicht gefährliche Chemikalien in Europa verbieten und gleichzeitig giftige


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Pharmazeutische Zeitung
Web: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/gefaehrliche-geschenke/


Teuer und ineffizient

Datum: 28.11.2019

Teuer und ineffizient In puncto Effizienz hinkt das deutsche Gesundheitswesen den Systemen anderer EU-Länder hinterher. Das belegt eine Studie der Organisation für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD), die heute erschien. Alle zwei Jahre veröffentlicht die OECD eine große vergleichende Studie zu den Gesundheitssystemen der EU-Mitgliedstaaten. »Das Ziel ist es, politischen Entscheidungsträgern und Einflussnehmern ein Instrument für die gegenseitige Wissensvermittlung und den freiwilligen Kenntnisaustausch an die Hand zu geben«, erklärt die Organisation einleitend im Länderprofil für Deutschland. Die Wirtschaftsexperten bemängeln insbesondere die Effizienz des deutschen Gesundheitswesens. Die Wirksamkeit des Sektors messen sie vor allem daran, wie gut es einem Staat gelingt, Todesfälle durch vermeidbare Krankheiten zu verhindern. »Die Raten vermeidbarer und behandelbarer Todesursachen in Deutschland liegen leicht unter dem EU-Durchschnitt, sind aber im Allgemeinen höher als in anderen westeuropäischen Ländern«, heißt es. Gleichzeitig verzeichnet die OECD hierzulande die höchsten Pro-Kopf-Ausgaben für Gesundheit im europäischen Vergleich. Im Jahr 2017 entsprachen die Kosten für das Gesundheitssystem demnach 11,2 Prozent des Bruttoinlandprodukts. Das sind 1,4 Prozentpunkte mehr als der EU-Durchschnitt (9,8 Prozent) – Platz zwei hinter Frankreich. Den Löwenanteil der Kosten trugen den Autoren zufolge staatliche Programme und Pflichtversicherungen. Mit 84,4 Prozent übertrifft Deutschland damit den europäischen Schnitt deutlich (79,3 Prozent). Viele EU-Mitgliedstaaten geben laut Bericht weniger Geld für Gesundheit aus, erreichen mit ihren Investitionen jedoch eine geringere durch Gesundheitsfürsorge vermeidbare Sterblichkeit. »Durch eine Stärkung der Gesundheitsförderung, Prävention und Koordinierung in der Gesundheitsversorgung könnte Deutschland die Wirksamkeit seines Gesundheitssystems steigern«, unterstreichen die Experten. Positivliste für Medikamente in Deutschland fehlt Um die Kosten zu senken, nennen sie zwei mögliche Ansatzpunkte: Zum einen gelte es, unnötige und teure stationäre Behandlungen zu reduzieren und die ambulante Versorgung sowie Operationen in Tageskliniken auszubauen. Zum anderen frisst nach Ansicht der OECD der Arzneimittelsektor zu viel Geld. »Deutschland hat die höchsten Pro-Kopf-Ausgaben für Arzneimittel in der EU«, stellen die Autoren fest. Die bisher unternommenen Einsparversuche seien nur mäßig erfolgreich gewesen. Zudem heben sie hervor, dass in der Bundesrepublik keine Positivliste existiert für Medikamente, die von der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) übernommen werden. »Stattdessen sind alle zugelassenen verschreibungspflichtigen Arzneimittel in der Regel erstattungsfähig, einschließlich neuer und oft sehr teurer Arzneimittel, wenn sie eine vergleichende Nutzenbewertung bestehen.« Das erleichtere zwar den Zugang zu innovativen Therapien, treibe jedoch auch die Kosten für die GKV in die Höhe. Was den Generikamarkt betrifft, ist Deutschland ganz vorn mit dabei: Der mengenmäßige Anteil der Nachahmer-Präparate ist laut Bericht mit 82,3 Prozent einer der höchsten in der EU. »Wertemäßig entfallen 34,1 Prozent des öffentlich finanzierten Arzneimittelmarkts auf Generika.« Die Länderprofile entstehen in Zusammenarbeit mit der European Observatory on Health Systems and Policies und der Europäischen Kommission. Die Daten und Informationen in den länderspezifischen Gesundheitsprofilen beruhen laut OECD vorwiegend auf offiziellen einzelstaatlichen Statistiken, die Eurostat und der OECD zur Verfügung gestellt und validiert wurden, um »höchste Standards bei der Datenvergleichbarkeit zu gewährleisten«.


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Pharmazeutische Zeitung
Web: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/teuer-und-ineffizient/


Wann kommt das Zolgensma-Härtefallprogramm?

Datum: 28.11.2019

Wann kommt das Zolgensma-Härtefallprogramm? Das Bundesgesundheitsministerium appelliert an den Pharmakonzern Novartis, das zwei Millionen Euro teure Medikament Zolgensma® bis zu einer Zulassung für Deutschland im Rahmen eines Härtefallprogramms kostenlos abzugeben. Das Unternehmen lehnt ein solches Programm zwar nicht rundweg ab – allerdings arbeitet es an einer internationalen Variante. Denn nicht nur aus Deutschland erreichen Novartis Anfragen nach einem Zugang zu Zolgensma® vor Zulassung. Seit einiger Zeit macht Zolgensma, das Gentherapeutikum für Kinder mit Spinaler Muskelatrophie, Schlagzeilen. Es ist ein Arzneimittel für eine seltene Erkrankung und damit wenige Patienten. Doch diesen wenigen verspricht es mit nur einer Spritze Heilung. Das hat seinen Preis: rund zwei Millionen Euro. Und in der EU ist das Arzneimittel – anders als in den USA – bislang nicht einmal zugelassen. Das heißt: Es kann zwar im Wege des Einzelimports bezogen werden, von den Kassen bezahlt wird es aber nicht. Ausnahmen bestätigen die Regel: Zwei Krankenkassen haben sich mittlerweile bereit erklärt, die Kosten zu übernehmen. Wohl auch wegen des medialen Drucks: Die Eltern betroffener Kinder haben sich über die Presse Gehör verschafft. Wohl ist den Kostenträgern dabei aber offensichtlich nicht. Und so hat sich kürzlich ein Bündnis aus Krankenkassen, Gemeinsamem Bundesausschuss und Universitätsklinika an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gewandt und ihn gebeten, auf den Hersteller Novartis einzuwirken: Das Unternehmen solle ein Härtefallprogramm auflegen, in dem das Arzneimittel kostenlos abgegeben wird. Die Unterzeichner des Briefes hatten Novartis auch vorgehalten, eine „beispiellose Medienkampagne“ losgetreten zu haben – ein Vorwurf, den das Unternehmen entschieden zurückwies. Nun hat Dr. Thomas Steffen, Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium (BMG), an Novartis geschrieben. Er würdigt zunächst generell die Erfolge der Arzneimittelforschung – verweist aber auch auf die bestehenden Rahmenbedingungen, die eine sichere und qualitativ hochwertige Arzneimittelversorgung in Deutschland garantieren und zu beachten sind. „Auch die Novartis Pharma GmbH profitiert von diesen Rahmenbedingungen“, heißt es im Brief. Die jetzige Situation, in der Zolgensma im Wege des Einzelimports nach Deutschland komme, gehe aber mit vielen offenen Fragen einher, schreibt Steffen weiter,„insbesondere zu bislang nicht durch eine europäische Zulassung verbindlich vorgegebenen Kriterien zur sicheren Anwendung von Zolgensma®“. Das BMG begrüße daher sehr, wenn Novartis für die besonders vulnerable Gruppe der Kinder bis zu zwei Jahren kurzfristig ein Härtefallprogramm „in Betracht ziehe“, um den Zeitraum bis zur Zulassung und dem Markteintritt zu überbrücken. Novartis rechnet im ersten Halbjahr 2020 mit einer europäischen Zulassung. Weitere Gespräche zwischen ­ Novartis und Kassenvertretern Solche Härtefallprogramme (sog. Compassionate Use) haben ihre Grundlage im Arzneimittelgesetz (§ 21 Abs. 2 Nr. 6 AMG) und sind genauer in einer Arzneimittel­ -Härtefall­ -Verordnung geregelt. Ein wesentliches Element dieser Programme für (noch) nicht zugelassene Arzneimittel ist, dass der Hersteller es kostenlos abgibt. Steffen erinnert in seinem Brief daran, dass es solche zeitlich befristeten Härtefallprogramme von zahlreichen Unternehmen für andere Arzneimittel gebe – so auch von Novartis. Es lägen also bereits umfangreiche Erfahrungen mit ihnen vor. Der Staatssekretär schließt seinen Brief mit den Worten: „Ich hoffe, dass Sie unser Anliegen, die Verunsicherung der betroffenen Familien auch in dieser schwierigen Situation zu lindem, unterstützen werden.“ Novartis arbeitet an internationalem Programm Novartis lehnt ein Härtefallprogramm nicht grundsätzlich ab – allerdings wird es sicherlich nicht so schnell aufgelegt, wie es sich viele in Deutschland wünschen. Denn nicht nur hierzulande ist man an einer vorzeitigen Behandlung mit dem hochinnovativen Arzneimittel interessiert. Auf Nachfrage von DAZ.online erklärte das Unternehmen: „ Seit der Zulassung von Onasemnogene abeparvovec-xio in den USA im Mai 2019 erhalten wir aus der ganzen Welt Anfragen und Bitten nach einem Zugang vor Zulassung. Novartis arbeitet an einem Vorschlag für ein internationales Programm. Die Ausgestaltung eines solchen Programms wird eine gewisse Vorbereitungszeit in Anspruch nehmen.“ Dennoch ist eine weitere Zwischenlösung – bis zum Start eines Härtefall-Programms – möglich. Es gebe weiterhin Gespräche mit Vertretern der Kassen in Deutschland, so das Unternehmen. Novartis habe „weitere Gespräche angeboten, um eine gemeinsame Lösung für Deutschland zu finden“. Wie sie aussieht und wann sie kommt, ist aber vorerst offen.


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2019/11/28/wann-kommt-das-zolgensma-haertefallprogramm


Psychotherapie via Smartphone – Kann das funktionieren?

Datum: 27.11.2019

Psychotherapie via Smartphone – Kann das funktionieren? Da selbst schwer depressive Menschen aktive Smartphonenutzer sind, bieten digitale Behandlungsformen via Apps viele Vorteile. Dennoch mahnen Experten zur Vorsicht. München, Düsseldorf Martin Müller* hat schon länger das Gefühl, dass etwas mit ihm nicht in Ordnung ist. Doch erst als der 51-Jährige aus Niedersachsen eine Trennung durchmacht, merkt er, dass er professionelle Hilfe braucht. Bevor er einen Arzt aufsucht, macht er das, was auch rund 1,5 Millionen Menschen pro Monat in Deutschland machen. Müller startet seine digitale Suchmaschine und tippt Folgendes ein: „Habe ich eine Depression?“ Mentale Krankheiten sind immer noch ein Tabuthema in der Gesellschaft. Viele Menschen, die an psychischen Störungen leiden, teilen ihre Probleme nicht ihrem Umfeld mit. Deshalb suchen sie eigenständig nach Lösungen. „Selbst der Gang zum Hausarzt, der die Überweisung zu einem Psychotherapeuten ausstellen soll, fällt den meisten schwer“, sagt Felix Frauendorf. Der studierte Betriebswirt ist CoGründer des Start-ups und der gleichnamigen App Moodpath. Ihr Vorteil für Nutzer sei eine deutlich niedrigere Hemmschwelle, weil sie zunächst für sich herausfinden könnten, ob sie an einer Depression erkrankt seien. Smartphones sind schon lange ständige Begleiter der Menschen und entwickeln sich mehr und mehr zum alltäglichen digitalen Berater. Auch wenn es um die Gesundheit geht, können Nutzer auf mobile Anwendungen zurückgreifen. Moodpath ist nach Angaben der Stiftung Warentest eine von mittlerweile 100.000 Gesundheits-Apps auf dem Markt. „Da selbst psychisch Erkrankte beziehungsweise depressive Menschen regelmäßig und intensiv ihre Smartphones nutzen, kam es zu der Idee, eine App für diese Patienten zu entwickeln“, erklärt Frauendorf. Moodpath hat das sogenannte Stimmungstagebuch digitalisiert, das jeder Patient im Rahmen einer Depressionstherapie führen muss. Nutzer der App bekommen auf Wunsch nach Ablauf von 14 Tagen „eine fundierte Einschätzung“ als PDF-Datei. Mit dieser Datei, in der die Felder für persönliche Daten freistehen – denn Moodpath garantiert absolute Anonymität –, können die Nutzer dann je nach Einschätzung zu einem Therapeuten gehen. Darüber hinaus bietet die App Text- und Audio-Inhalte, die eine potenzielle Therapie ergänzen und unterstützen sollen. Dazu gehören beispielsweise Achtsamkeitsübungen oder Informationstexte zum Krankheitsbild Depression. Ähnlich funktionieren auch Dutzende weitere Apps auf dem Markt. Deprexis 24 und Selfapy sind beispielsweise genauso wie Moodpath als Medizinprodukte CE-zertifiziert und bieten unter anderem Achtsamkeitsübungen, das digitalisierte Stimmungstagebuch oder den Test zur Überprüfung einer möglichen psychischen Krankheit an. Diagnose oder „fundierte Einschätzung“? Die Deutsche PsychotherapeutenVereinigung ist nach Angaben der Bundesvorsitzenden Barbara Lubisch Gesundheits-Apps gegenüber aufgeschlossen, sofern ein Therapeut oder ein Arzt die Nutzung anordnet. Allerdings sieht sie einige Anwendungsbereiche von Moodpath kritisch: „Es wäre fatal, wenn Moodpath einem Schwerdepressivem mit diesem ‚Ärztebrief‘ bescheinigt, dass mit ihm alles in Ordnung ist“, mahnt Lubisch und ergänzt: „Die Berufsordnung der Psychotherapeuten sagt aus gutem Grund, dass eine Diagnose nur im persönlichen Kontakt erfolgen darf.“ Frauendorf kann die Kritik nachvollziehen, aber verspricht: „Wir versuchen, dieses Risiko natürlich zu minimieren, indem wir kontinuierlich Validierungsstudien mit angesehenen Forschungs- und Kooperationspartnern durchführen.“ Offiziell distanziert sich Co-Gründer Frauendorf auch davon, dass Moodpath Diagnosen erstellt. Ob fundierte Einschätzung oder Diagnose: Letztlich erscheint die Differenzierung für Laien wie Wortklauberei. Fest steht, dass Moodpath den Nutzern eine sogenannte unbegleitete Selbsthilfe anbietet. Im Umkehrschluss heißt das: Moodpath allein ist nicht ausreichend, wenn ein an Depression erkrankter Mensch Hilfe sucht. Im nächsten Schritt braucht der Erkrankte eine psychotherapeutische Behandlung. Auch dafür gibt es eine digitale Lösung: die Onlineplattform MindDoc. Sie bietet Patienten Psychotherapie in Form von einer Videochat-Behandlung an. MindDoc ist seit 2017 ein eigenständiger Geschäftsbereich der Schön-Klinik-Gruppe mit Sitz in München. Seit dem ersten Oktober arbeiten Moodpath und MindDoc unter dem Holdingdach der Schön-Klinik zusammen. Müller ist seit Mai Patient im MindDoc-Programm und hat wöchentlich eine Sitzung, bei der er seine Therapeutin nur auf dem Bildschirm sieht. „Mir war wichtig, dass die Behandlung möglichst schnell beginnt. Für einen herkömmlichen Therapieplatz hätte ich fast ein ganzes Jahr warten müssen“, sagt Müller. Auf die Onlinetherapie hat der 51-Jährige nach eigenen Angaben nur drei Wochen gewartet. Ganz ohne physischen Kontakt geht es aber nicht. Denn wer per Videochat behandelt werden will, muss zunächst zu einem der rund 120 Standorte, um das Erstgespräch bei Psychotherapeuten mit Kassenzulassung in Deutschland zu führen. Das ist gesetzlich vorgeschrieben. Diese Psychotherapeuten kooperieren mit MindDoc per Vertragsvereinbarung. Die Kooperationspartner entscheiden letztlich, ob der Patient für die Videochat-Behandlung geeignet ist. „Diese Therapeuten tragen ein gewisses Maß an Verantwortung, bevor die Patienten an meiner Videotherapie teilnehmen“, sagt Stefanie Tucha. Sie ist eine von insgesamt mehr als 50 Therapeuten bei MindDoc. Die Bundesvorsitzende der Deutschen Psychotherapeuten-Vereinigung hat bei der Vorgehensweise von MindDoc allerdings „Fragezeichen im Kopf“. „Ein Gespräch ist zwar besser als nichts. In der regulären ambulanten Versorgung gibt es aber drei solcher Erstgespräche, bis eine Indikation gestellt wird“, erklärt Lubisch. Wenn ein Patient das erste Mal in eine Praxis komme, habe der Psychotherapeut mehr Zeit, sich einen ersten Eindruck zu verschaffen. Bei irritierenden Antworten oder Verhalten gebe es so die Gelegenheit, Missverständnisse zu klären. „Bei der Onlinetherapie fallen die persönliche Begrüßung wie Händedruck weg. Ich habe weniger Eindrücke des Patienten – insofern ist die Situation etwas anders als in der regulären Therapie“, findet auch Tucha. Hinzu kommt, dass der Patient seine Videochat-Behandlung nicht zwangsläufig mit derselben Person haben muss, die mit ihm das Erstgespräch geführt hat. Im Fall von Martin Müller gab es anfangs ein großes Missverständnis, wie er sagt. „Dass mir im Videochat nicht der Mensch gegenübersaß, bei dem ich auch persönlich den ersten Termin hatte, hat mich zunächst sehr irritiert“, erinnert sich der 51-Jährige. Dieser Therapeutenwechsel erfolgt laut Lubisch jedoch auch manchmal im Regelfall in der herkömmlichen Behandlung. Buchstäbliche Distanz zwischen Therapeuten und Patienten Lubisch hat dennoch Zweifel am Geschäftsmodell von MindDoc: „Wenn Patienten in Sitzungen plötzlich anfangen zu weinen – das passiert häufig –, ist diese Situation zwischen Patient und Therapeut über den Videochat extrem distanziert. Da liegen buchstäblich mehrere Kilometer zwischen ihnen“, sagt die Bundesvorsitzende der Deutschen Psychotherapeuten-Vereinigung. Alexander Kopp behandelt ebenfalls MindDoc-Patienten per Videochat. „Wir haben nicht den Anspruch, die analoge Therapie zu ersetzen“, entgegnet er der Kritik. MindDoc biete eher ein zusätzliches Angebot für Menschen, die aus vielen Gründen keine analoge Therapie wahrnehmen können oder wollen. Die psychosomatische Behandlung beschreiben Florian Moser, der die EMental-Health-Plattform bei MindDoc leitet, und Frauendorf als eine Art Stufenmodell: Die erste Stufe wäre die Google-Suche des potenziell psychisch Erkrankten. Im nächsten Schritt kämen Gesundheits-Apps wie Moodpath ins Spiel, die unter anderem die Psycho-Edukation des Nutzers gewährleisten und eine erste Einschätzung des Gesundheitszustands liefern. Wenn der Patient sein Erstgespräch gehabt hat und eine Diagnose feststeht, könne MindDoc übernehmen. „Egal ob Depression, Angst- oder Essstörung – MindDoc führt die therapeutische Behandlung nach vorhandenen Leitlinien an“, erklärt Moser. Danach biete die Schön-Klinik in der Versorgungskette noch den klinischen Aufenthalt an. Die letzte Stufe im besagten Modell sei die Nachsorge nach dem Klinikaufenthalt. Ein Rundumservice für den Patienten also. Für diesen ist am Ende vor allem wichtig, ob sein Krankheitsbild durch die Nutzung der digitalen Angebote verbessert wird. „Eine komplett selbstgeleitete Depressions-App kann für Nutzer, die sie langfristig nutzen, zu einer Symptomreduktion von 25 Prozent führen“, sagt Moodpath-CoGründer Frauendorf. Diese Behauptung führt er auf die zwei Millionen Nutzer zurück, die die App vor etwa sechs Monaten für eine Mindestdauer von zwölf Wochen genutzt hätten. „Solche Symptomreduktionen kann man allerdings nicht vollständig auf Moodpath zurückführen. Dafür bräuchte man konkrete Kontrollstudien“, schränkt Moser ein. Denn aufgrund der Anonymität und fehlender Daten weiß Moodpath im Einzelfall nicht, ob der jeweilige Nutzer nicht vielleicht schon eine Therapie begonnen hat oder sich sowieso schon in einer therapeutischen Behandlung befindet. 36 Impressionen Partnerevent 1.jpeg Impressionen Partnerevent 2.jpg Impressionen Partnerevent 4.jpg Impressionen Partnervent 3.jpg node.template OLD pdftotext PN_45-2019_Monitoring 2[1].pdf PN_45-2019_Monitoring 2[1].txt PROCESSED process_newsletter_1.sh process_newsletter_2.sh process_newsletter_3.sh process_newsletter_4.sh TMP.ARTICLE00.1 TMP.ARTICLE01.1 TMP.ARTICLE02.1 TMP.ARTICLE03.1 TMP.ARTICLE04.1 TMP.ARTICLE05.1 TMP.ARTICLE06.1 TMP.ARTICLE07.1 TMP.ARTICLE08.1 TMP.ARTICLE09.1 TMP.ARTICLE10 TMP.ARTICLE10.1 TMP.ARTICLE11 TMP.ARTICLE12 TMP.ARTICLE13 TMP.ARTICLE14 Name von der Redaktion geändert.


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Handelsblatt
Web: https://www.handelsblatt.com/technik/digitale-revolution/digitale-revolution-psychotherapie-via-smartphonekann-das-funktionieren/25270772.html?ticket=ST-59413091-fsfgQQyHbZFxrh2Rd3yM-ap4


US-Behörden stellen Opioid-Firmen auf eine Stufe mit Dealern

Datum: 27.11.2019

US-Behörden stellen Opioid-Firmen auf eine Stufe mit Dealern Den Herstellern starker Schmerzmittel steht weiterer Ärger ins Haus: Einem Zeitungsbericht zufolge prüfen amerikanische Justizbehörden, sie strafrechtlich wegen des Verstoßes gegen das US-Suchtmittelgesetz zur Verantwortung zu ziehen. Schmerzmittel-Firmen könnte in den USA laut einem Zeitungsbericht weiterer großer rechtlicher Ärger drohen. Die Justizbehörden prüfen im Rahmen einer strafrechtlichen Untersuchung, ob Hersteller und Händler abhängig machender Opioide gegen das bundesweite Suchtmittelgesetz „Controlled Substances Act“ verstoßen haben. Das schrieb das „Wall Street Journal“ am gestrigen Dienstag unter Berufung auf Insider. Die Ermittlung stehe aber noch am Anfang. Das Gesetz dient eigentlich vor allem der Strafverfolgung von DrogenDealern und illegalen Netzwerken zum Handel mit verbotenen Rauschmitteln. Seine Anwendung würde eine Eskalation im Vorgehen gegen Unternehmen bedeuten, die mit Schmerzmitteln zur grassierenden Medikamentenabhängigkeit in den USA beigetragen haben sollen. Entsprechend nervös reagierten Anleger: Die Aktien der betroffenen Pharmakonzerne und Arzneimittelhändler Teva, Mallinckrodt, AmerisourceBergen, Amneal, McKesson und Johnson & Johnson – gegen die sich die Ermittlung richten soll – gerieten teilweise massiv unter Druck. Die Unternehmen sind wegen ihrer Rolle in der Opioid-Krise ohnehin schon mit einer Klagewelle konfrontiert. Den Pharmakonzernen wird vorgeworfen, mit ihren Produkten den Grundstein für die Schmerzmittel-Epidemie gelegt zu haben, die in den vergangenen Jahren laut US-Behörden zu Hunderttausenden Toten durch Überdosierungen führte. Bundesstaaten, Städte und Landkreise fordern von den Unternehmen Milliarden von Dollar zurück, die sie für den Kampf gegen OpioidAbhängigkeit und Überdosierungen ausgegeben haben.


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2019/11/27/us-behoerden-stellen-opioid-firmen-aufeine-stufe-mit-dealern


Harneit wird Noweda-Vorstand

Datum: 25.11.2019

Harneit wird Noweda-Vorstand Berlin - Bei der Noweda wird es bald einen vierten Vorstand geben. Udo Harneit wird in der Führung der Genossenschaft die Verantwortung für den Bereich Vertrieb übernehmen. Derzeit ist der Vertrieb auf Ebene der Geschäftsleitung angesiedelt; Harneit ist bereits seit Jahren für das Ressort verantwortlich. Vorstand und Aufsichtsrat seien jedoch der Auffassung, dass „ein Handelsunternehmen von der Größe und Bedeutung der Noweda über ein Vorstandsmitglied verfügen sollte, dass sich originär um den so wichtigen Aufgabenbereich des Vertriebs kümmert“, erklärte Aufsichtsratschef Dr. Matthias Lempka bei der Generalversammlung in Essen. Aus diesem Grund sei man dem Vorschlag des Vorstands gefolgt, einen neuen Posten zu schaffen. Harneit hat BWL in Köln studiert, von 1999 bis 2009 arbeitete er für den Lebensmitteldiscounter Plus. Nach vier Jahren als Mitglied der Geschäftsleitung Vertrieb und Immobilien bei Schülerhilfe kam er im Februar 2013 zu Noweda. Dort übernahm er den Posten von Lars Horstmann, der ein Jahr zuvor zu EasyApotheke gewechselt war. Zum Führungsteam von Vorstandschef Dr. Michael P. Kuck gehören derzeit Karl Josef Paulweber (Organisation/Technik/IT/Qualitätssicherung), Joachim Wörtz (Finanzen) sowie nebenamtlich die Apothekerin Dr. Sabrina Schröder-Hickery. In der Geschäftsleitung sind außerdem Matthias Groß (Industrie), Cornelia Rolf (Finanzen und Controlling) sowie Oliver Wackernagel (Apothekendienstleistungen). Harneits Posten wird nicht nachbesetzt, weil er den Aufgabenbereich – nun im Vorstand – weiter verantwortet. Die vertriebliche Verantwortung auf nächster Ebene obliegt den jeweiligen Leitern der Niederlassungen; sie und die Vertriebs- und Marketingverantwortlichen berichten weiterhin direkt an Harneit.


Rubrik: Allgemeines
Quelle: apotheke adhoc
Web: https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/markt/harneit-wird-noweda-vorstand-grosshandel/


Abbvie erwirbt Option auf Myelom-Antikörper

Datum: 27.11.2019

Abbvie erwirbt Option auf Myelom-Antikörper San Francisco/Chicago. Abbvie füllt seine frühe Entwicklungspipeline zur Krebsimmuntherapie: Mit der börsennotierten kalifornischen Harpoon Therapeutics wurde jetzt eine exklusive Optionsvereinbarung zum Erwerb der Rechte an einem trispezifischen Antikörper („HPN217“) geschlossen, der zur Behandlung eines BCMA-exprimierenden multiplen Myeloms entwickelt werden könnte. Harpoon werde den Kandidaten bis zum Ende der Phase IIa bringen, spätestens dann müsse Abbvie seine Option zur Einlizenzierung ausüben. Einschließlich sämtlicher Vorab- und Meilensteingebühren könne der Deal bis zu 510 Millionen Dollar wert sein, heißt es. Mit den ersten klinischen Tests soll noch in diesem Jahr begonnen werden. (cw)


Rubrik: Hersteller
Quelle: Ärztezeitung
Web: https://www.aerztezeitung.de/Wirtschaft/Abbvie-erwirbt-Option-auf-Myelom-Antikoerper-404336.html


Stada: Abgänge im OTC-Team

Datum: 27.11.2019

Stada: Abgänge im OTC-Team Berlin - Bei Stada gibt es überraschende Wechsel: Dr. Ralph Grobecker gibt die Verantwortung für das OTC-Geschäft ab; der neue Deutschlandchef Eelco Ockers leitet diesen Bereich ab sofort mit. Auch Vertriebsleiter Sascha Dyckerhoff scheidet aus. Am Montag wurde die Belegschaft über die personellen Veränderungen informiert. Grobecker übergibt demnach seine Aufgaben mit sofortiger Wirkung an Ockers, bleibt aber bis Ende April im Unternehmen und wird die Einheit „Special Projects“ leiten. Danach läuft sein Vertrag aus und wird nicht verlängert. „Es freut mich sehr, dass Ralph Grobecker uns noch einige Zeit mit seinem umfangreichen Erfahrungsschatz unterstützt“, sagt Ockers. Dyckerhoff scheidet dagegen sofort aus dem Unternehmen aus. Seine Nachfolgerin wird Claudia Pöhl, die – wie Ockers – von Reckitt Benckiser (RB) kommt, wo sie ebenfalls für den Vertrieb verantwortlich war. Pöhl tritt ihren neuen Posten zum 1. Dezember an. „Ich bin überzeugt, dass sie uns helfen wird, unseren Consumer Health-Vertrieb einen großen Schritt nach vorne zu bringen“, so Ockers. Eine dritte Veränderung gibt es in der Personalabteilung: Manfred Koch löst zum 1. Dezember Sebastian Gorzolla als Senior Director HR Germany ab. Er kommt von Abbvie, wo er in verschiedenen Funktionen die Bereiche Forschung und Entwicklung, Commercial und Produktion auf Personalseite verantwortet hat. Laut Ockers ist der Personlabereich ist ein entscheidender Erfolgsfaktor für Stada; mit Koch gewinne man einen erfahrenen Profi, der „noch stärker als bisher dafür sorgen wird, dass die HR-Services genau auf die Bedürfnisse unserer Mitarbeiter und unserer Führungskräfte abgestimmt sind und wir als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen werden“. Ockers dankte den ausscheidenden Kollegen: Alle drei hätten besonders in der Transformationsphase der letzten Jahre wichtige Beiträge geleistet, sodass man über gute Voraussetzungen verfüge, die Erfolgsgeschichte fortzuschreiben. „Ich wünsche ihnen für ihre persönliche und berufliche Zukunft alles Gute!“ Grobecker hatte im April 2017 die Leitung des OTC-Geschäfts übernommen; er trat die Nachfolge von Adil Kachout an, der den Konzern ein knappes Jahr zuvor verlassen musste. Dyckerhoff war seit Juni 2014 Sales Director bei Stada; er kam damals von Velux nach Bad Vilbel. Gorzolla hat seit 2008 in der Personalabteilung des Konzerns gearbeitet. Ockers hatte die Leitung des Deutschlandgeschäfts im September übernommen; davor war er bei RB ein halbes Jahr lang interimsmäßig Regional Director für den deutschsprachigen Raum und die nordischen Länder. Ab 2014 hatte er verschiedene Positionen im Vertrieb und Marketing im In- und Ausland inne, Schwerpunkt war Fast Moving Consumer Goods, Hygiene und Homecare-Produkte. Davor war er zwei Jahre bei Unilever und – mit Unterbrechung – acht Jahre lang für Procter & Gamble (P&G) tätig. Der 43-Jährige ist Niederländer und hat Steuerrecht studiert. Mit einem Umsatz von rund 270 Millionen Euro auf Basis der Apothekenverkaufspreise (AVP) ist Stada laut Insight Health die Nummer 6 unter den OTC-Herstellern in Deutschland, hinter Bayer, GlaxoSmithKline, Ratiopharm, Sanofi und Hexal. Wichtigste Marken sind Grippostad, Hoggar und Ladival. Unter der Leitung von Grobecker waren die Marken neu ausgerichtet und das Portfolio strategisch erweitert worden.


Rubrik: Hersteller
Quelle: apotheke adhoc
Web: https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/markt/stada-abgaenge-im-otc-team-generikakonzerne/


Novartis plant Milliarden-Übernahme von Medicines Company

Datum: 25.11.2019

Novartis plant Milliarden-Übernahme von Medicines Company Der Schweizer Pharmakonzern Novartis Börsen-Chart zeigen will die US-Biotechnologiefirma The Medicines Company für 9,7 Milliarden Dollar übernehmen. Das hätten die Spitzen beider Unternehmen einstimmig beschlossen, teilte Novartis am Sonntagabend in Basel mit. Man habe 85 Dollar je Medicines-Aktie angeboten. Die Transaktion werde voraussichtlich im ersten Quartal 2020 abgeschlossen sein. Finanziert werde die Übernahme durch vorhandenes Kapital sowie durch kurz- und langfristige Darlehen. Das erfolgreichste Medikament von The Medicines aus New Jersey ist das cholesterinsenkende „Inclisiran“ für Herzpatienten, das das wachsende Geschäft von Novartis mit seinem Herzinsuffizienz-Medikament „Entresto“ ergänzen könnte. Falls der Deal im erste Quartal 2020 abgeschlossen ist, soll „Inclisiran“ laut Novartis ab 2021 Gewinne einbringen - es habe das Potenzial, eines der größten Medikamente der Produktpalette zu werden. Der Deal passt zur aggressiven Unternehmensstrategie von Novartis-Chef Vas Narasimhan, durch Akquisitionen das Arzneimittelportfolio mit neuen Produkten und Technologien zu stärken. Die Konzernspitze erwartet, die Kernmargen in der Sparte innovative Arzneimittel in naher Zeit auf „Mitte dreißig“ und mittelfristig auf „Mittebis Hochdreißiger“ auszubauen. Novartis hatte in der Vergangenheit eine starke Kardiovaskulär-Sparte, verlor aber an Boden, als 2012 „Diovan“ den Patentschutz verlor und das Unternehmen kein innovatives Folgeprodukt auf den Markt brachte, um die 6-Milliarden-Dollar-Lücke an Verkäufen pro Jahr zu bedienen. Der Deal dürfte dazu beitragen, das von Patentabläufen bedrohte Wachstum von Novartis zu stützen und zu ähnlichen Medikamenten wie Amgen und Praluent von Regeron Pharmaceuticals konkurrenzfähig zu bleiben. The Medicines wäre nicht der erste große Einkauf des Schweizer Pharmakonzerns: In diesem Jahr zahlte das Unternehmen bis zu 5,3 Milliarden Dollar für Takedas „Xiidra“, ein Medikament gegen trockene Augen. Im vergangenen Jahr kaufte der Pharmakonzern auch Endocyte mit Sitz in den USA für 2,1 Milliarden USDollar. Und mit dem AveXis-Deal im vergangenen Jahr fügte Novartis die Gentherapie Zolgensma zu seinem Portfolio hinzu. Das Medikament die aktuell mit 2,1 Millionen US-Dollar die teuerste einmalige Behandlung für spinale Muskelatrophie.


Rubrik: Hersteller
Quelle: Manager Magazin
Web: https://www.manager-magazin.de/unternehmen/industrie/novartis-plant-milliarden-uebernahme-von-medicinescompany-a-1298078.html


Medikamente genauso gut wie Herz-OP

Datum: 29.11.2019

Medikamente genauso gut wie Herz-OP Stents und Bypässe sind nicht besser als eine medikamentöse Therapie. Zu diesem Schluss kommt die ISCHEMIA-Studie, die kürzlich vorgestellt wurde. Vielen Patienten mit koronarer Herzkrankheit (KHK) könnte demnach ein invasiver Eingriff erspart bleiben. Bei einer Erkrankung der Herzkranzgefäße, bei der die Durchblutung des Herzmuskels vermindert ist, werden Patienten häufig operiert und erhalten einen Bypass oder einen Stent, um die Blockade zu beseitigen. Eine neue Studie der Universität Stanford in Kalifornien mit dem Namen ISCHEMIA zeigt nun, dass eine OP oft überflüssig ist: Mit Medikamenten und einer gesunden Lebensweise lassen sich ähnlich gute Ergebnisse erzielen. KHK-Patienten werden in der Regel mit Plättchenhemmern und Statinen behandelt. Je nach Ausprägung und Komorbiditäten kommen Betablocker, ACE-Hemmer oder Sartane dazu. Angina-pectoris-Beschwerden werden mit Calciumkanalblockern und Nitraten behandelt. Bei Patienten mit einer stabilen koronaren Herzkrankheit, die sich einer Operation unterzogen hatten, traten demnach im ersten Jahr etwa zwei Prozent mehr Herzprobleme auf als bei denjenigen, die nur eine medizinische Therapie erhielten und ihren Lebensstil änderten, berichteten die Forscher kürzlich bei der Tagung der Amerikanischen Herzgesellschaft (AHA) in Philadelphia. Sie führen die zusätzlichen Risiken auf die OP zurück. Im zweiten Jahr zeigten sich keine Unterschiede, und ab dem vierten Jahr traten Herzprobleme bei den operierten Patienten etwa zu 2 Prozent seltener auf. Über die Beobachtungsdauer von sieben Jahren zeigte sich kein klarer Vorteil für eine der beiden Behandlungsstrategien. Der einzige Unterschied zeichnete sich bei Patienten ab, die vor der Behandlung häufig von Brustschmerzen geplagt wurden: Sie waren nach einer OP zu 50 Prozent schmerzfrei, verglichen mit nur 20 Prozent der Patienten, die lediglich ihren Lebensstil änderten und Medikamente erhielten. Das Öffnen verstopfter Blutgefäße durch eine OP sei also nicht unbedingt die beste Therapiemöglichkeit. »Für Patienten mit schwerer, aber stabiler Herzkrankheit, die sich diesen invasiven Eingriffen nicht unterziehen möchten, sind diese Ergebnisse sehr beruhigend«, sagte Professor Dr. David Maron, der die Ergebnisse präsentierte. Die Ergebnisse dieser Studie gelten aber nicht für Menschen mit akuten Herzerkrankungen, wie etwa einem Herzinfarkt. Diese Patienten sollten sofort eine angemessene medizinische Versorgung in Anspruch nehmen.


Rubrik: Forschung und Entwicklung
Quelle: Pharmazeutische Zeitung
Web: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/medikamente-genauso-gut-wie-herz-op/


Virusinfektion möglicher Auslöser für MS

Datum: 27.11.2019

Virusinfektion möglicher Auslöser für MS Schwedische Forscher bringen in einer aktuellen Arbeit Herpesviren in Zusammenhang mit der Multiplen Sklerose (MS). Eine Infektion mit einem bestimmten Subtyp des humanen Herpesvirus (HHV) im Kindesalter erhöht demnach die Wahrscheinlichkeit, später an MS zu erkranken. Virusinfektionen werden schon seit Längerem als mögliche Auslöser der Autoimmunerkrankung MS diskutiert. Im Verdacht steht dabei meist das Epstein-Barr-Virus (EBV), der Erreger des Pfeifferschen Drüsenfiebers, das zu den Herpesviren gehört. Einer Mitteilung des Karolinska Institut in Stockholm zufolge ist auch der HHVSubtyp HHV6 als Kandidat für die Rolle des MS-Triggers im Gespräch. Die Durchseuchungsrate mit diesem Erreger ist hoch: Bis zum Alter von zwei Jahren haben 80 Prozent der Kinder eine Infektion durchgemacht. Von HHV6 gibt es verschiedene Spezies, nämlich HHV6A und HHV6B. Letzteres ist der Erreger des Dreitagefiebers, einer sehr ansteckenden, aber harmlosen Kinderkrankheit, die mit Fieber und Hautausschlag einhergeht. Ob auch HHV6A eine akute Erkrankung auslöst, ist noch nicht geklärt. Bislang konnte man die beiden Spezies zwar differenzieren, aber ob ein Mensch zuvor eine Infektion mit dem einen oder dem anderen Subtyp durchgemacht hatte, ließ sich anhand der gebildeten Antikörper nicht unterscheiden. Den Forschern um Dr. Elin Engdahl vom Karolinska Institut gelang nun genau diese Unterscheidung – und so auch der Nachweis, dass HHV6A höchstwahrscheinlich das MS-Erkrankungsrisiko erhöht, nicht aber HHV6B. Wie die Wissenschaftler im Fachjournal »Frontiers in Immunology« berichten, untersuchten sie Blutproben von MS-Patienten und Gesunden auf Antikörper gegen das Immediate Early Protein 1A (IE1A) beziehungsweise 1B (IE1B), die der Körper als Reaktion auf Infektionen mit HHV6A- beziehungsweise HHV6BViren bildet. Es konnten gut 8700 MS-Patienten und mehr als 7200 gematchte Kontrollen einbezogen werden. Antikörper gegen IE1A wurden bei MS-Patienten deutlich häufiger gefunden als bei den Kontrollpersonen (Odds Ratio 1,55). In einer Subgruppe von knapp 500 Personen, deren Blutproben vor Krankheitsbeginn gewonnen worden waren, war das Risiko einer künftigen MS-Erkrankung mehr als verdoppelt, wenn sie IE1A-Antikörper aufwiesen (OR 2,22). Je jünger die Personen waren, wenn sie sich mit dem Virus infizierten, umso höher war das Risiko, dass sie später an MS erkrankten. Antikörper gegen IE1B, also der indirekte Nachweis einer durchgemachten HHV6BInfektion, waren dagegen nicht mit einem erhöhten MS-Erkrankungsrisiko assoziiert. Im Gegenteil schien es hier sogar einen schützenden Effekt zu geben (OR 0,74). Fanden sich im Blut zusätzlich zu Anti-IE1A-Antikörpern auch Antikörper gegen das Epstein-Barr-Virus, bedeutete das einen zusätzlichen Anstieg des MS-Risikos. Die Forscher werten dies als Hinweis darauf, dass eine MS-Erkrankung das Resultat des Zusammentreffens mehrerer Virusinfektionen sein könnte. Dies wollen sie nun weiter erforschen.


Rubrik: Forschung und Entwicklung
Quelle: Pharmazeutische Zeitung
Web: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/virusinfektion-moeglicher-ausloeser-fuer-ms/


I4P---FE---I4P

Datum: 29.11.2019

I4P---FE---I4P Doch das BMG will hier keine größeren Änderungen am Rabattvertragssystem vornehmen. Es gebe mehrere Gründe, die gegen eine „Zentralisierung des Systems“ durch eine einheitliche Vergabe sprechen. Unter anderem würde der Wettbewerb zwischen den Kassen geschwächt. So könnten „Krankenkassen-Kartelle“ auf der einen und „Herstellermonopole“ auf der anderen Seite entstehen. Kleinere und mittelständische Unternehmer würden somit benachteiligt. Außerdem zeige das Beispiel der Versorgung mit parenteralen Zubereitungen aus Fertigarzneimitteln in der Onkologie, dass sich einheitliche Ausschreibungen nicht bewährt hätten, so das Ministerium. BMG eng an den Forderungen der AOK Damit liegt das Ministerium von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sehr nah an den Forderungen des AOK-Systems. In der Vorbemerkung der Kommentierung wird auch eine Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) erwähnt. Das WIdO hatte kürzlich Zahlen vorgelegt, die belegen sollen, dass Exklusivverträge für mehr Stabilität und Anbietervielfalt im Generika-Markt sorgen. Das WIdO hatte die EngpassSituation auch relativiert und erklärt, dass es meistens Alternativen gebe und dass es sich nicht um Versorgungs- sondern Lieferengpässe handle. Das BMG schreibt in seinem Papier: „In Deutschland besteht eine hohe Versorgungssicherheit mit Arzneimitteln. Anfang September 2019 waren 99,3 Prozent der Arzneimittel, die zu Lasten der GKV verordnet wurden, lieferbar (WIdO). Und auch nicht jeder Lieferengpass ist gleich ein Versorgungsengpass. In der Regel stehen in der Versorgung gleichwertige Arzneimittel zur Verfügung. Rabattverträge sind Ausdruck des in § 12 Fünften Buches Sozialgesetzbuch (SGB V) im Bereich der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) verankerten Wirtschaftlichkeitsgebots und tragen wesentlich dazu bei, eine qualitativ hochwertige Arzneimittelversorgung zu gewährleisten und die Arzneimittelausgaben der GKV nachhaltig finanzierbar zu halten. Das Einsparvolumen durch Rabattverträge belief sich im Jahr 2018 auf ca. 4,5 Mrd. Euro“.


Rubrik: Gesundheitspolitik
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2019/11/29/bmg-verteidigt-exklusivvertraege-undrabattvertragssystem


Rote Zahlen bei BKKen, IKKen und Ersatzkassen

Datum: 21.11.2019

Rote Zahlen bei BKKen, IKKen und Ersatzkassen Berlin. Ersatz- und Betriebskassen geraten immer tiefer ins Minus. Bis Ende des dritten Quartals ist bei den Ersatzkassen ein Defizit von 402 Millionen Euro aufgelaufen, minus 297 Millionen waren es bereits zur Jahresmitte. Die Ausgaben legten in den drei Quartalen um rund fünf Prozent zu, die Einnahmen nur um 3,7 Prozent. Bei den Betriebskassen (BKKen) addiert sich das Defizit auf knapp 150 Millionen. Für die Ersatzkassen steht erstmals seit 2015 nach drei Quartalen ein Minus in der Bilanz. Ulrike Elsner, Chefin des Ersatzkassenverbands, spricht von einem sich verschärfenden Kostendruck. In allen großen Leistungsbereichen – Arzneimittel, Heilmittel, Ärztehonorare, Krankenhaus – nähmen die Ausgaben deutlich zu. Pflegereformen und das Terminservicegesetz (TSVG) verursachten weitere Mehrausgaben. Die Wettbewerbsverzerrungen im Kassen-Finanzausgleich nähmen zu, so dass eine rasche Reform des Morbi-RSA dringlich sei, so Elsner. Auch IKKen erneut in den roten Zahlen Die Innungskrankenkassen (IKKen) haben im dritten Quartal ein Minus von 105,7 Millionen Euro eingefahren, hat der Dachverband IKK e.V. mitgeteilt. Schon im ersten Halbjahr verbuchten die sechs Innungskassen mit zusammen rund 5,2 Millionen Versicherten ein Defizit von 95 Millionen Euro. Zum Stichtag 30. Juni war die GKV erstmals fast kollektiv mit 544 Millionen Euro wieder ins Minus gerauscht. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2018 stand noch ein Überschuss von 720 Millionen Euro in der Bilanz. Ein Grund sind Mehrausgaben durch


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Ärztezeitung
Web: https://www.aerztezeitung.de/Politik/Rote-Zahlen-bei-BKKen-IKKen-und-Ersatzkassen-404240.html


KI-Therapeuten müssen sich den Ethikregeln beugen!

Datum: 20.11.2019

KI-Therapeuten müssen sich den Ethikregeln beugen! Eher Wildwuchs denn geordnete Strukturen – so könnte man den Umgang mit digitalen Versorgungslösungen für mentale Gesundheit sehen. Eine Medizinethikerin sieht hier dringenden Handlungsbedarf. Düsseldorf. Wer in Deutschland über das Potenzial des Einsatzes Künstlicher Intelligenz (KI) im medizinischen und pflegerischen Kontext diskutiert, weist zumeist auf die Verheißungen für die Diagnostik und individuelle (onkologische) Therapiefindung hin. Vollkommen ausgeblendet werde hingegen der vielversprechende Bereich des KI-Einsatzes im Kontext der mentalen Gesundheit. Dies monierte Professor Alena M. Buyx, Direktorin des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin, Lehrstuhl für Ethik der Medizin und Gesundheitstechnologien der Technischen Universität München, am Dienstag in Düsseldorf auf der weltgrößten Medizinmesse Medica im Rahmen des diesjährigen Medica Econ Forums der Techniker Krankenkasse (TK). Agieren im vulnerabelsten Bereich Das Feld werde international bereits von einigen Playern bespielt, so Buyx, die seit 2016 auch Mitglied im Deutschen Ethikrat ist. So werde der an der University of Southern California entwickelte Avatar „Ellie“ zum Beispiel eingesetzt, um im Gespräch mit Menschen Anzeichen für Depressionen zu erkennen. Der Therapieroboter „Kaspar“ helfe autistischen Kindern, Kontakt mit anderen Menschen aufnehmen zu können. Andere KI-basierte Roboter würden zur Therapie bei pädophilen Patienten eingesetzt – einer Zielgruppe, die von Psychotherapeuten nur schwer zu erreichen sei. Companion Bots wie die in Japan entwickelte Computerrobbe Paro werden im Pflegekontext bei demenzkranken Patienten eingesetzt, um der zunehmenden Vereinsamung zu begegnen – sie nähmen Paro und Konsorten als echte Tiere wahr. Es sei höchste Zeit, so Buyx, solche Lösungen im Hinblick auf ihre Chancen und Risiken unter dem ethischen Aspekt zu diskutieren. Der Knackpunkt für sie: Die MenschMaschine-Interaktion betreffe den vulnerabelsten Lebensbereich der Patienten. Zugleich könnten diese Lösungen aber potenziell dazu beitragen, Versorgungslücken bei der mentalen Gesundheit zu schließen – nicht nur im räumlichen Sinne, sondern auch durch das Ansprechen schwer erreichbarer Populationen durch niederschwellige digitale Angebote. Ein Manko der bisherigen KI-Therapeuten sei, dass sie in der Regel von IT-Fachkräften entwickelt worden seien, ohne Patienten oder Ärzte einzubinden oder über ethische Aspekte nachzudenken. „Um eine verantwortliche Integration der digitalen Therapielösungen in Klinik und Gesellschaft zu unterstützen, müssen ethische und soziale Implikationen frühzeitig und kontextspezifisch identifiziert und analysiert werden“, forderte Buyx. Ergänzung, kein Ersatz Die KI-Kollegen werden ihrer Ansicht nach den Versorgungsalltag umkrempeln – es komme zu einer „Interaktion im neuen Dreieck KI-PatientTherapeut“. Die Gefahr bestehe, dass KI-Algorithmen unabhängig von menschlicher – ärztlicher – Führung und Expertise mit dem Patienten interagierten. Alternativlos ist für Buyx, dass der menschliche Therapeut immer die Hoheit haben müsse über die Behandlung – KI dürfe nur unterstützen, nicht selbst therapieren. Für überlegenswert hält sie die Einführung „menschlicher Personalquoten“. Unter ethischen Gesichtspunkten müsse auch das Thema Patientenautonomie bei KI-Lösungen für die mentale Gesundheit beackert werden, mahnte Buyx. Hier bestehe die Gefahr, dass Patienten/Nutzer von zum Beispiel AvatarTherapeuten deren Rolle missverstehen und fälschlicherweise davon ausgingen, dass alle Anwendungen medizinisch validiert seien. Kann in diesem Kontext überhaupt noch von selbstbestimmter, informierter Zustimmung gesprochen werden? Für den pflegerischen KI-Kontext schlägt Buyx entsprechend „Blended CareModelle“ vor, die die Rolle der Menschen und der KI im Versorgungsalltag klar bestimmten, damit es auch hier nicht zu einer Substitution der Pflegefachkräfte kommt. „Forschung, Forschung, Forschung!“ sieht Buyx als conditio sine qua non an, um die ethischen Belange im Umgang mit den KI-Versorgungslösungen angemessen berücksichtigen zu können.


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Ärztezeitung
Web: https://www.aerztezeitung.de/Wirtschaft/KI-Therapeuten-muessen-sich-den-Ethikregeln-beugen-404139.html


Xarelto: Weitere gefälschte Chargen bestätigt

Datum: 20.11.2019

Xarelto: Weitere gefälschte Chargen bestätigt Berlin - Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) weist auf vier weitere bestätigte gefälschte Chargen des Blutgerinnungshemmers Xarelto (Rivoroxaban) hin. Bei den betroffenen Packungen handelt es sich um Xarelto 20 mg à 28 Tabletten in polnischslowakischer Aufmachung. Drei der vier neu entdeckten, gefälschten Chargen tragen real existierende Chargenbezeichnungen. Bei allen handelt es sich um nicht serialisierungspflichtige Altware. Das BfArM weist auf Überprüfung der oben genannten Chargen hin. Verdachtsfälle sind dem BfArM zu melden. Die Herkunft der Fälschung wird untersucht. Xarelto 20 mg 28 Tabletten Betroffene reale Chargen mit Verfall: BXJ06P3 (05/2021), BXJ0UN2 (06/2021), BXJ34U1 (05/2021) Betroffene beim Original-Hersteller nicht exsistierende Charge mit Verfall: BXJ34U2 (05/2021) Die gefälschten Filmtabletten ähneln dem Original in Farbe, Größe und Prägung. Bayer konnte die Identität der originalen Wirk- und Hilfsstoffe nicht bestätigen. Rivaroxaban wurde in allen untersuchten Tabletten der gefälschten Chargen BXHUBD2, BXHVHC3, BXHXL41, BXJ34U1 identifiziert. Tabletten mit und ohne den Wirkstoff wurden in den Chargen BXJ06P3, BXJ0UN2 und BXJ34U2 gefunden. Um die Fälschung vom Original unterscheiden zu können, empfiehlt Bayer den Blister auf die Perforationslinien zu überprüfen. Nur das Original weist klar erkennbare Perforationen auf. Auf der Blisteroberseite der gefälschten Chargen sind zahlreiche Bayer Logos aufgedruckt und aus allen Winkeln stets erkennbar, beim Originalprodukt ist dies nicht der Fall (im Streulicht nur schwach erkennbar).


Rubrik: Allgemeines
Quelle: apotheke adhoc
Web: https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/pharmazie/xarelto-weitere-gefaelschte-chargen-bestaetigt/


OLG: Amazon wertet Gesundheitsdaten aus

Datum: 20.11.2019

OLG: Amazon wertet Gesundheitsdaten aus Berlin - Verkaufen Apotheken Arzneimittel über Amazon, kann die Handelsplattform diese Daten auswerten. Und weil es sich dabei um gesundheitsbezogene Daten handelt, ist der Verkauf apothekenpflichtiger Arzneimittel über Amazon laut zwei Urteilen des Oberlandesgerichts Naumburg unzulässig, wenn der Kunde nicht vorab in die Verarbeitung eingewilligt hat. Die Entscheidungen sind nicht rechtskräftig. Viele Versandapotheken haben bei Amazon eigene Shops. Werden darüber OTC-Bestellungen aufgegeben, seien zwar laut OLG keine Gesundheitsdaten im engeren Sinne wie etwa ärztliche Befunde, gleichwohl seien aber Rückschlüsse auf die Gesundheit des Bestellers möglich. Das gelte insbesondere für die Kombination aus mehreren apothekenpflichtigen Medikamenten. „Amazon selbst werte die Daten – wenn auch anonym – aus, um zu werben: ‚Kunden, die sich Produkt A angesehen haben, interessieren sich auch für Produkt B‘“, heißt es im Urteil. Die Datenverarbeitung durch Amazon sei keine Auftragsdatenverarbeitung im Sinne der Datenschutzgrundverordnung, so das OLG. Das hatten die beklagten Apotheker auch gar nicht behauptet. Insofern konnte offen bleiben, ob sich eine Apotheke etwaige Datenschutzverstöße seitens der Plattform zurechnen lassen müsse. Entscheidend ist laut Urteil die Verarbeitung durch die Apotheke. Hierfür fehle es an einer wirksamen Einwilligung des Kunden im Sinne der DSGVO. Ebenfalls in beiden ähnlich gelagerten Ausgangsverfahren hat das OLG Naumburg sich mit der Frage befasst, ob sich Apotheker überhaupt wegen mutmaßlicher Verstöße gegen die Datenschutzvorgaben verklagen dürfen. Die Meinungen in der Literatur gehen darüber auseinander. Die Richter folgten hier den Kollegen beim OLG Hamburg: Demnach soll die DSGVO zwar in erster Linie das informationelle Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen schützen, andererseits aber auch Wettbewerbsverzerrungen verhindern, die aus Verstößen dagegen entstehen können. Mit anderen Worten: Gegenseitige Abmahnungen wegen Datenschutzverstößen sind möglich. Diese Grundsatzfrage sollte aber aus Sicht des OLG der Bundesgerichtshof (BGH) klären. Unter anderem deshalb wurde Revision zugelassen. Ein Fall kam vom Landgericht Magdeburg (LG) zum OLG Naumburg. Apotheker Dr. Hermann Vogel jr. Hatte seinen Kollegen Holger Neubert verklagt, der mit seiner Bodfeld-Apotheke als Marktplatz-Verkäufer einen eigenen Händlershop betreibt. Das LG hatte in erster Instanz im Januar entschieden, dass es sich beim Vertrieb über Amazon um eine ganz normale Spielart des Versandhandels handelt. Das OLG änderte die Entscheidung im Berufungsverfahren ab, gab Vogel aber auch nicht in allen Punkten recht. So konnten die Richter in dem Vertriebsmodell keinen Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz erkennen, in dem Sinne, dass über Amazon unzulässigerweise Arzneimittel in Verkehr gebracht würden. Anpreisung im Internet sei stets nur die Aufforderung zur Abgabe eines Angebots. Der Kunde setze Amazon nur als Bote ein. „Er offenbart damit seine Gesundheitsdaten der Verkaufsplattform selbst.“ Die Apotheke setze die Plattform nur zur Reichweitenerhöhung ein. „Nach der Übermittlung der Bestelldaten durch Amazon ist die Situation mit einer direkten Bestellung bei der Online-Apotheke des Beklagten – von der bereits ausgeführten datenschutzrechtlichen Problematik abgesehen – vergleichbar“, so das Urteil. Die pharmazeutische Tätigkeit beginne erst nach dieser Datenübermittlung. Daher konnte das Gericht auch keinen Verstoß gegen das Selbstbedienungsverbot gemäß Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) erkennen. Vogel hatte dies mit Blick auf die weiteren Empfehlungen seitens der Plattform moniert. Doch diese Werbemaßnahmen beziehen sich laut OLG auf das Produkt und nicht auf eine konkrete Online-Apotheke und kämen daher allen auf der Plattform vertretenen Apothekern zugute. Dass das Fremdbesitzverbot hier berührt sei soll, konnte Vogel vor Gericht nicht ausreichend belegen. Die von ihm unterstellte Umsatzbeteiligung in Höhe von 15 Prozent am Bruttoumsatz wies Neuberts Seite ausdrücklich zurück. Das OLG sah in der behaupteten Umsatzbeteiligung auch nicht mehr als eine Vermutung, ein Verstoß gegen das Apothekengesetz in diesem Fall scheide daher aus. Im anderen Verfahren hatte Vogel Apotheker Michael Spiegel (Linden-Apotheke in Gräfenhainichen) verklagt. Der bietet mit dem Verkäuferprofil „Aposparer“ ebenfalls apothekenpflichtige Medikamente über Amazon an. In erster Instanz hatte das Landgericht Dessau/Roßlau den Vertrieb über die Handelsplattform für unzulässig erklärt, sofern der Kunde nicht ausdrücklich eingewilligt hat, dass der Konzern seine sensiblen Daten erhält. Spiegels Berufung gegen die Entscheidung wurde abgewiesen. Die Begründungen in beiden Verfahren sind teils wortgleich. Beide Entscheidungen sind nicht rechtskräftig und werden aller Voraussicht nach auch nicht rechtskräftig. Denn in der mündlichen Verhandlung hatte sich abgezeichnet, dass beide Seiten eine höchstrichterliche Klärung vor dem BGH anstreben. Aus Sicht des OLG ist nicht nur klärungsbedürftig, ob sich Apotheker wegen der DSGVO gegenseitig abmahnen dürfen. Aufgrund der marktbeherrschenden Stellung Amazons dürfte zudem „ein abstraktes Interesse der Allgemeinheit an der Klärung der Frage bestehen, ob und gegebenenfalls unter welchen Voraussetzungen der Handel mit apothekenpflichtigen Medikamenten über eine solche Internethandelsplattform möglich ist“, so das Urteil. Fortsetzung in Karlsruhe folgt.


Rubrik: Allgemeines
Quelle: apotheke adhoc
Web: https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/apothekenpraxis/olg-amazon-wertet-gesundheitsdaten-ausotc-verkauf-ueber-plattform/


Deutschland beim Antibiotikaverbrauch eher im niedrigen Bereich

Datum: 19.11.2019

Deutschland beim Antibiotikaverbrauch eher im niedrigen Bereich Das Europäisches Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) hat seinen epidemiologischen Bericht zum Verbrauch antimikrobieller Arzneimittel in der EU/im EWR für 2018 vorgelegt. Insgesamt werden keine großen Veränderungen berichtet. Das Europäisches Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) hat über den Zeitraums von 2009 bis 2018 im gesamten EU/EWR-Raum insgesamt keine statistisch signifikante Veränderung des Einsatzes von Antibiotika beim Menschen festgestellt. Dies geht aus dem epidemiologischen Bericht für das Jahr 2018 hervor, den das ECDC nun veröffentlicht hat. Basierend auf der ATC-Klassifikation 2019 wurden drei Hauptkategorien von Antibiotika überwacht: Antibiotika, Antimykotika (ATC-Gruppen J02 und D01B) und Virostatika zur systemischen Anwendung. Antibiotikaverbrauch über alle ­ Länder ambulant und stationär Der durchschnittliche Gesamtverbrauch von antibakteriellen Mitteln für die systemische Anwendung in der EU/im EWR (im ambulanten und Krankenhaussektor zusammen) lag im Jahr 2018 bei 20,1 Definierten Tagesdosen (DDD) pro 1000 Einwohner pro Tag, wobei die Zahlen sich je nach Land in einer Spanne von 9,7 bis 34,0 DDD bewegten. Deutschland liegt mit 11,9 DDD eher im niedrigen Bereich. Für elf Länder wurden statistisch signifikant rückläufige Trends beobachtet (Deutschland: minus 1,6 Prozent), für vier dagegen statistisch signifikant steigende Trends. Der durchschnittliche Verbrauch von Virostatika zur systemischen Anwendung lag in beiden Sektoren bei 2,2 DDD pro 1.000 Einwohner pro Tag (bei einer länderbezogenen Spanne von 0,51 bis 6,78 DDD. Die stärkste Verwendung verzeichneten Kombinationen von Virostatika zur Behandlung von HIV-Infektionen (86 DDD pro 1000 Einwohner und Tag), was mehr als die Hälfte des Gesamtkonsums von Virostatika entspricht. Antibiotikaverbrauch im ambulanten Sektor Für die Primärversorgung hat das ECDC einen bevölkerungsgewichteten Durchschnittsverbrauch an Antibiotika zur systemischen Anwendung von 18,4 DDD pro 1000 Einwohner pro Tag errechnet. Auch hier schwanken die Zahlen unter den einbezogenen Ländern sehr stark (8,9 DDD in den Niederlanden bis 32,4 DDD in Griechenland). Während des Zeitraums 2009 bis 2018 wurde für die EU/den EWR insgesamt eine Abnahme um 1,6 Prozent beobachtet, wobei der Einsatz in neun Ländern (Österreich, Belgien, Dänemark, Finnland, Italien, Luxemburg, Niederlande, Portugal und Schweden) abgenommen und in vier Ländern (Bulgarien, Irland, Lettland und Polen) zugenommen hat. Penicilline an der Spitze Wie in den Vorjahren waren Penicilline im ambulanten Bereich in allen Ländern die am häufigsten gebrauchten antibakteriellen Mittel. Die Spanne reichte von 25 Prozent in der Slowakei bis 67 Prozent des Gesamtverbrauchs in Dänemark. Der Anteil anderer antibakterieller Gruppen war von Land zu Land unterschiedlich. Cephalosporine und andere BetaLactame erreichten zum Beispiel in Dänemark lediglich einen Anteil von 0,2 Prozent, in der Slowakei dagegen 31 Prozent. Im Schnitt wurden in der Primärversorgung über alle Länder fast drei Mal so viele BreitspektrumPenicilline, Cephalosporine und Makrolide (außer Erythromycin) und Fluorchinolone eingesetzt wie Schmalspektrum-Penicilline, Cephalosporine und Makrolide (das heißt Erythromycin) (Länderspanne für das Verhältnis: 0,1 bis 24,0). Der durchschnittliche Verbrauch von Antimykotika zur systemischen Anwendung betrug 1,0 DDD pro 1000 Einwohner pro Tag (Länderbereich: 0,39 bis 3,0). Keine Daten zum Antibiotikaverbrauch im Krankenhaus aus Deutschland Für den Krankenhaussektor gibt das ECDC für das Jahr 2018 einen durchschnittlichen Verbrauch an Antibiotika zur systemischen Anwendung von 1,8 DDD pro 1000 Einwohner pro Tag an. Während des Zeitraums 2009 bis 2018 waren in fünf Ländern (Belgien, Finnland, Lettland, Luxemburg und Norwegen) rückläufige Trends zu verzeichnen und in sieben (Bulgarien, Kroatien, Dänemark, Irland, Malta, Portugal und Schweden) statistisch signifikant steigende Trends. Während der Durchschnittsverbrauch an Carbapenemen im Krankenhaus über alle Länder nicht signifikant angestiegen ist, legte der Konsum von Polymyxinen signifikant zu. Der durchschnittliche Anteil an Glycopeptiden, Cephalosporinen der dritten und vierten Generation, Monobactamen, Carbapenemen, Fluorchinolonen, Polymyxinen, Piperacillin und Betalactamasehemmer, Linezolid, Tedizolid und Daptomycin am Gesamtverbrauch an Antibiotika zur systemischen Anwendung im Krankenhaussektor betrug 32,5 Prozent (Länderspanne: 17 bis 58 Prozent). Deutschland hat aus dem Krankenhausbereich keine Daten an das ECDC berichtet. Große Schwankungen unter den Ländern In seinem Resümee betont das ECDC, dass die in dem Bericht präsentierten Ergebnisse mit Vorsicht interpretiert und nicht für internationale Benchmarking-Zwecke verwendet werden sollten. Beim Konsum von Antibiotika zur systemischen Anwendung in der Primärversorgung innerhalb der EU/ des EWR zeige sich ein Nord-SüdGefälle, was viele Gründe haben könne, darunter kulturelle Determinanten. Die Angemessenheit des Verbrauchs antimikrobieller Mittel könne nicht allein anhand der Verbrauchsdaten beurteilt werden. Hierbei müssten vielmehr nationalen Politiken und Leitlinien berücksichtigt werden.


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2019/11/19/deutschland-beim-antibiotikaverbraucheher-im-niedrigen-bereich


Kammergericht: DocMorris muss 10.000 Euro Ordnungsgeld zahlen

Datum: 19.11.2019

Kammergericht: DocMorris muss 10.000 Euro Ordnungsgeld zahlen Das gegen DocMorris verhängte Ordnungsgeld in Höhe von 10.000 Euro, wegen der nach wie vor auf dem Bestellschein genutzten Aachener Adresse, bleibt eine offene Rechnung. Das Kammergericht hat die Beschwerde des niederländischen Versenders gegen einen entsprechenden, vom Verband Sozialer Wettbewerb erwirkten, Ordnungsgeldbeschluss des Landgerichts Berlin zurückgewiesen. Schon 2013 war der Verband Sozialer Wettbewerb gegen DocMorris aktiv geworden. Der Grund: Die von dem niederländischen Unternehmen verwendeten Bestellscheine, bei denen als Anschrift „Versandapotheke DocMorris, 52098 Aachen“ angegeben war. Das Landgericht Berlin untersagte DocMorris mit rechtskräftig gewordenem Urteil, den Bestellschein derart zu gestalten – jedenfalls, wenn nicht gleichzeitig „deutlich und unübersehbar“ die Identität und die tatsächliche Anschrift in den Niederlanden angegeben ist (Urteil vom 13. August 2013, Az.: 91 O 71/13). Der seinerzeit seitlich und längs gedruckte Hinweis „Verantwortlich: DocMorris N.V., Heerlen, Niederlande“ auf dem Formular reichte dem Gericht hierfür nicht aus. Danach gingen einige Jahre ins Land, ohne dass viel geschah. Auf den DocMorris-Bestellscheinen wurde die Angabe „Versandapotheke DocMorris, 52098 Aachen“ ersetzt durch „DocMorris, Postfach 52098, Aachen“. In einer von unten nach oben verlaufenden Schriftlinie, die erst zu lesen ist, wenn man den Schein um 90 Grad dreht, steht nun: „Vertragspartner: DocMorris N.V., Avantisallee 152, 6422 Heerlen, Niederlande“. Nachdem DAZ.online im vergangenen Sommer nach Testkäufen bei DocMorris über die nach wie vor verwendete Aachener Adresse berichtet hatte, wurde der Verband Sozialer Wettbewerb wieder hellhörig. Er wies das Landgericht auf den Verstoß von DocMorris gegen das rechtskräftige Urteil aus dem Jahr 2013 hin und stellte einen Ordnungsmittelantrag. Denn wenn eine Partei das gegen sie ergangene Urteil nicht befolgt, kann ein Ordnungsgeld oder Ordnungshaft gegen sie verhängt werden. Das Landgericht Berlin folgte dem Antrag und verhängte ein Ordnungsgeld von 10.000 Euro gegen DocMorris. Die geringfügige Anpassung der Adressangabe genügte dem Gericht nicht. DocMorris gibt bekanntlich nicht so schnell nach und legte das Rechtsmittel der Beschwerde gegen den Ordnungsgeldbeschluss ein. Nun hat das Kammergericht über diese befunden – allerdings nicht im Sinne der Niederländer. Der 5. Zivilsenat des Berliner Kammergerichts wies die Beschwerde zurück, weil sie nicht begründet sei. In seinem Beschluss stellt er zunächst klar, dass der Verbotstenor des landgerichtlichen Urteils – dieser verpflichtet DocMorris „es zu unterlassen, im geschäftlichen Verkehr auf Bestellscheinen die Unternehmensanschrift anzugeben mit ‚Versandapotheke DocMorris, 52098 Aachen‘, ohne gleichzeitig und unübersehbar die Identität und Anschrift des Unternehmens anzugeben“ – auch eine Abwandlung umfasst, wie sie hier vorliegt. Geringeres Ordnungsgeld hätte keinen Abschreckungseffekt Auch der neue Bestellschein, so die Berliner Richter, enthalte die charakteristischen Elemente der verbotenen Verletzungsform – da helfe der neue „Sternchenhinweis“ nichts. Nach wie vor müsse der Verbraucher den Schein drehen, um näheres zu erfahren. DocMorris erwecke „weiterhin den Eindruck, neben dem in Aachen ansässigen ‚DocMorris‘-Unternehmen gebe es ein mit diesem verbundenes, in den Niederlanden sitzendes Unternehmen, das arbeitsteilig andere Aufgaben wahrnehme als das Aachener Unternehmen“. Den Einwand des Versenders, der Verbraucher wisse, dass sie, „die wohl bekannteste Online-Versandapotheke- Europas“, ihren Sitz in den Niederlanden habe, lässt das Gericht nicht gelten. Rechtsschutzbedürfnis des ­Wettbewerbsverbands besteht DocMorris hatte zudem im Beschwerdeverfahren gerügt, dass dem Verband Sozialer Wettbewerb das Rechtsschutzbedürfnis fehle – schließlich ließ er ein paar Jahre vergehen, ehe er das Urteil von 2013 vollstreckte. Dazu führt das Kammergericht aus: „Die Erwartung der Schuldnerin (DocMorris, Anm. der Redaktion), vom Gläubiger aus dem Unterlassungstitel nicht mehr in Anspruch genommen zu werden, nachdem sie den nun beanstandeten Bestellschein bereits seit 2013 verwendet hat, ist schwerlich als schützenswerte Vertrauensposition zu bezeichnen. Ihr kann jedoch hinreichend Rechnung getragen werden, indem die Dauer des Verstoßes gegen das Verbot bei der Bemessung des Ordnungsgeldes unberücksichtigt bleibt.“ Ferner sei ein Ordnungsgeld von 10.000 Euro „keinesfalls übersetzt“. Selbst wenn man die Dauer des Verstoßes unberücksichtigt lasse, liege diese Summe „angesichts der offenbar gewordenen Sorglosigkeit“, mit der DocMorris dem Verbot begegne, „am untersten Rand des Angemessenen“. Der ihr als „wohl bekannteste Online-Versandapotheke“ zu unterstellende wirtschaftliche Erfolg gebe überdies Anlass zu der Annahme, dass ein geringeres Ordnungsgeld keinen Abschreckungseffekt hinsichtlich weiterer Zuwiderhandlungen habe. Ein weiteres Rechtsmittel steht DocMorris nicht zu. Man darf nun gespannt sein, ob das Unternehmen zahlt – und wie es künftig seinen Bestellschein gestaltet. Beschluss des Kammergerichts Berlin vom 29. Oktober 2019, Az.: 5 W 174/19


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung
Web: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2019/11/19/kammergericht-docmorris-muss10-000-euro-ordnungsgeld-zahlen


Bei Antibiotika oft auf der falschen Fährte

Datum: 18.11.2019

Bei Antibiotika oft auf der falschen Fährte Viele Bundesbürger schätzen einer Umfrage zufolge falsch ein, wo­ gegen Antibiotika helfen und wie man sie richtig einnimmt. Ärzte, Kassen und Industrie fordern mehr Aufklärung. Berlin. Arzneimittel-Experten machen im Umgang mit Antibiotika noch große Wissenslücken in der Bevölkerung aus. So gehe mehr als ein Drittel der Bundesbürger fälschlicherweise davon aus, dass sich Antibiotika auch gegen virale Infektionen eignen würden, sagte der Geschäftsführer Wissenschaft beim Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller (BAH), Dr. Elmar Kroth, anlässlich des Europäischen Antibiotikatages am Montag. Kroth verwies auf Ergebnisse einer aktuellen Umfrage des „Gesundheitsmonitors“ des Verbandes. Im Rahmen der Studie wurden über 1000 Bundesbürger befragt, was sie über Antibiotika wissen. Dabei zeigen sich auch Unkenntnisse hinsichtlich des richtigen Gebrauchs der Präparate. Fehlgebrauch triggert Resistenzen So gibt laut Studie jeder vierte Bundesbürger an, ein Antibiotikum könne „jederzeit“ abgesetzt werden, sobald sich der Gesundheitszustand verbessert habe. „Genau darin liegt aber der Fehler“, betonte Kroth. Antibiotika seien strikt nach Anweisung des Arztes und entsprechend den Vorgaben der Packungsbeilage einzunehmen. Andernfalls drohe die Gefahr, dass sich Resistenzen ausbreiteten. „Der falsche Gebrauch ist ein wesentlicher Trigger für Resistenzen.“ Nötig seien daher mehr Informationen – auch durch Ärzte und Apotheker. Um Resistenzen entgegenzusteuern, müssten aber auch neue Antibiotika erforscht und bereits zugelassene Antibiotika weiter verfügbar gehalten werden, betonte Kroth. Weltweit seien zuletzt insgesamt nur wenige Antibiotika aus neuen Wirkstoffklassen entwickelt und zugelassen worden. Das sei auch hohen Entwicklungskosten bei „zu geringen Erträgen“ geschuldet. Innovative Antibiotika kämen meist nur als Reserve zum Einsatz, sagte BAH-Experte Kroth. Die Hersteller bräuchten deshalb mehr Anreize, um neue antibiotische Wirkstoffe zu entwickeln. Dafür sei bei den Preisen etwa die Sonderstellung dieser Arzneimittel als Reservetherapeutika zu berücksichtigen. Auch sollte ihnen bei der Nutzenbewertung nach dem Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) automatisch ein Zusatznutzen zugewiesen werden. Kassen: „Antibiotika in den meisten Fällen unnötig“ Die Krankenkassen nahmen den Aktionstag ebenfalls zum Anlass, um für einen bewussteren Gebrauch von Antibiotika zu werben. „Die Einnahme eines Antibiotikums ist in den meisten Fällen unnötig“, sagte die Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Ersatzkassen, Ulrike Elsner, am Montag. Rund 90 Prozent der Atemwegsinfekte würden durch Viren ausgelöst, so Elsner. Antibiotika wirkten aber nur gegen Bakterien. Eine zusammen mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) gestartete Informationskampagne wolle daher Ärzte und Patienten zum „rationalen“ Antibiotika-Einsatz bei grippalen Infekten und Erkältungen anhalten. Die KBV stellt nach Abschluss des Interventionszeitraums RESIST Praxismaterialien zur Verfügung. Die Kampagne beinhaltet außer Patientenflyern auch konkrete Verordnungsempfehlungen und unterstützende Online-Fortbildungen für Ärzte. Hervorgegangen sind die Empfehlungen aus dem Projekt „RESITenzvermeidung durch adäquaten Antibiotikaeinsatz bei akuten Atemwegsinfektionen“. Das vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses mit rund 14 Millionen Euro geförderte Projekt wird von der Universität Rostock wissenschaftlich begleitet. Ziel ist es, unnötige Antibiotikaverordnungen bei akuten Atemwegsinfekten zu vermeiden und die Verschreibung von Breitspektrumantibiotika zu verringern. „Aufklärung bleibt ein Thema“ KBV-Vizechef Dr. Stephan Hofmeister betonte, die Zahl der Antibiotikaverordnungen sei in Deutschland in den vergangenen Jahren „deutlich“ zurückgegangen. Während im Jahr 2010 noch 562 Verordnungen durch niedergelassene Ärzte pro 1000 Versicherte ausgestellt wurden, seien es 2018 nur noch 446 gewesen. Hofmeister sprach von einer „erfreulichen“ Entwicklung. Gleichwohl: Aufklärungsarbeit über den Einsatz von Antibiotika bleibe „ein wichtiges Thema“ in den Praxen.


Rubrik: Allgemeines
Quelle: Ärztezeitung
Web: https://www.aerztezeitung.de/Politik/Bei-Antibiotika-oft-auf-der-falschen-Faehrte-404025.html


Preisanker: Und Apotheken müssen doch anrufen!

Datum: 18.11.2019

Preisanker: Und Apotheken müssen doch anrufen! Berlin - Die Debatte um die lästigen Anrufe bei der Überschreitung des Preisankers geht in die nächste Runde. GKV-Spitzenverband und Deutscher Apothekerverband (DAV) hatten sich zwar geeinigt, dass die Anrufe der Vergangenheit angehören. Offenbar wurde aber der ergänzende Arzneiversorgungsvertrag (AVV) der Ersatzkassen übersehen. Darum heißt es bei Barmer, DAK, TK & Co.: Hörer in die Hand. Was war passiert? Ende Oktober dachten Apotheker, die Kuh ist vom Eis. Vorbei die Zeit der Warteschleifen und missglückten Anrufe beim Arzt, wenn aufgrund von Lieferengpässen der Preisanker überschritten wird. Die Sonder-PZN genügt – darüber hatte der GKV-Spitzenverband informiert. „Die Regelungen im Rahmenvertrag sind so gefasst, dass dann keine Rücksprache mit dem verordnenden Arzt notwendig ist“, teilte der GKV-Spitzenverband mit und versicherte, dass die Erleichterung nicht nur für den generischen, sondern auch für den importrelevanten Markt gilt. „Diese Regelungen zur Dokumentation gelten auch für den Sonderfall ‚Abgabenotwendigkeit in einem dringenden Fall‘ nach § 14 Absatz 2 des Rahmenvertrags sowie für den Fall, den der § 14 Absatz 4 des Rahmenvertrags beschreibt (dringliche Abgabe und notwendige Abweichung von der Importabgabe).“ Zu früh gefreut. Denn am Freitag teilte der Landesapothekerverband Niedersachsen (LAV) seinen Mitgliedern mit, dass sie beim Überschreiten des Preisankers im Bereich Import/ Original im Falle eines Lieferengpasses bei Verordnungen zu Lasten der Ersatzkassen weiterhin Rücksprache mit dem Arzt halten müssen. Warum? Weil es neben dem Rahmenvertrag auch Regelungen zum Preisanker – bei Nichtverfügbarkeit von Importen – in den ergänzenden Lieferverträgen gibt. Für die findet die Einigung aus dem Oktober keine Anwendung. Was steht drin? § 4 Absatz 8 des AVV regelt, dass vor der Abgabe eines Import- oder Originalarzneimittels mit einem höheren Preis als des vom Arzt verordneten Präparats bei Nichtlieferbarkeit Rücksprache mit dem verordnenden Arzt zu halten ist. Außerdem müssen die Rücksprache auf dem Rezept dokumentiert und das Sonderkennzeichen „Nichtverfügbarkeit“ aufgedruckt werden. Was passiert jetzt? Laut LAV sind DAV und Vdek in Gesprächen, um eine Regelung im AVV zu finden. Solange gilt die Vorgabe des ergänzenden Vertrages und es muss angerufen werden. Das heißt also: „Bei den Ersatzkassen ist beim Überschreiten des Preisankers im Bereich Original/ Import im Falle von Nichtlieferfähigkeit weiterhin Arztrücksprache zu halten“, schreibt der LAV. AOK: Gefahr gebannt. Auch für die AOK Niedersachsen wurde eine dem AVV entsprechende Vereinbarung getroffen. Allerdings kann hier grünes Licht gegeben werden. Die Kasse hat dem LAV bereits kurzfristig bestätigt, dass die in § 4 Absatz 12 des Vertrags zwischen LAV und AOK verankerte Rücksprachepflicht bei Überschreitung des Preisankers im Falle von Nichtlieferfähigkeiten im importrelevanten Markt vorerst ausgesetzt wird.


Rubrik: Allgemeines
Quelle: apotheke adhoc
Web: https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/apothekenpraxis/preisanker-und-apotheken-muessen-dochanrufen-originalimport/


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